01. 06. 2015 Abed Azizi

Begegnungen mit der Polizei

Es ist schwierig zu vergessen, wie die Polizei auf offener Strasse und vor den Augen von Hunderten von Leuten meine Kleider und meinen Körper durchsucht hat wie bei einem Kriminellen.

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Verhaftung eines ASZ-Kursteilnehmenden direkt vor dem damaligen Schulstandort beim Güterbahnhof, November 2011

Mein Zimmerkollege vom Asylheim und ich befanden uns einmal auf dem Heimweg. Wir sind beide Kurden, er aus dem Irak, ich aus dem Iran. Wir gerieten in eine Polizeikontrolle. Sie fragten: «Warum seid ihr zusammen unterwegs? Du bist aus dem Iran und er aus dem Irak. Eure Länder haben lange miteinander Krieg geführt. » Ich antwortete: «Wir sind alle Menschen, egal, von welcher Nation und Hautfarbe. Wir Kurden waren in diesem Krieg nicht auf der Seite dieser verrückten Präsidenten (Imam Chomini und Sadam Hussein). Wir kämpfen beide für ein eigenes Land, Freiheit, unsere Muttersprache, die kurdische Identität und Kultur.»

Es ist schwierig zu vergessen, wie sie auf offener Strasse und vor den Augen von Hunderten von Leuten meine Kleider und meinen Körper durchsucht haben wie bei einem Kriminellen. Wie sie mich festgenommen haben und ins Gefängnis gebracht haben. Wie könnten wir vergessen, dass sie uns bei jeder Kontrolle respektlos behandeln, in aller Öffentlichkeit und vor den Augen der Leute. Jeder, der zufällig da war, wusste hinterher, welche Farbe unsere Unterhose und unser Hemd haben. Und dazu mussten wir auch noch demütigende Fragen beantworten.

Als ich beim Bahnhof Winterthur auf den Bus wartete, wurde ich einmal kontrolliert. Man fragte mich: «Wo sind deine Waffen und wo sind deine Drogen?» Ich verstehe nicht, weshalb sie solche Fragen stellen dürfen. Kennen sie mich? Habe ich eine Geschichte mit Drogen und Waffen? Habe ich Probleme mit der Polizei? Die Antwort auf alle diese Fragen lautet: Nein! Ich habe keine Waffen und keine Drogen. Wir sind nicht ISIS und wir sind keine Terroristen, wir sind nur Asylbewerber.

Ich frage mich, ob sie diese Methode in der Ausbildung lernen. Vielleicht haben sie dafür auch einfach grünes Licht von den Behörden und dem System, so dass sie mit uns umgehen können, wie sie wollen. Warum dürfen sie uns immer und überall respektlos behandeln? Warum gelten die Gesetze und die Menschenrechte für uns nicht? Ich will diese Fragen immer wieder stellen, bis irgendwann – hoffentlich bald – den Leuten in der Schweiz die Augen aufgehen und sie menschlichere Gesetze machen. Rassistische Gesetze und Reden sind keine Lösung. «Wollt ihr uns extra demütigen?», fragte ich einmal einen Polizisten. Da antwortete er mir: «Ja, diese Demütigung ist extra. Du kannst meinen Namen aufschreiben und eine Anzeige machen, wenn du willst.» Es bekümmerte ihn nicht, dies zuzugeben. Er weiss ja, dass wir Asylbewerber nicht das Geld und die Kraft haben, um eine Beschwerde einzureichen. Und am Schluss würde das Gericht gewiss auf seiner Seite stehen.

Bei einer weiteren Kontrolle fragte mich ein Polizist: «Wo warst du? Was machst du in Zürich? » Ich antwortete: «Ich war mit Freunden zum Tanzen.» Der Beamte sagte: «Die Schweiz ist schön für euch, nicht wahr? …»

«… Wir Schweizer müssen für euch Ausländer arbeiten, wir können nicht tanzen gehen.»

Er redete noch weiter in dieser Art, bis ich sagte: «Wir dürfen ja nicht arbeiten! Meinen Sie, ich will in einem Bunker in der Nothilfe bleiben? Mit 30 Personen pro Zimmer, mich dreimal in der Woche bei der Gemeinde melden, kein Netz, kein Fenster und ohne Sonne? Davon wird man krank! Deswegen muss ich aktiv bleiben und Bewegung haben. Und zum Beispiel zum Tanzen gehen.»

Eine typische Frage der Polizei ist: «Was machst du hier, warum bleibst du nicht im Heim?» Ich weiss gar nicht, ob wir in der Schweiz überhaupt als Menschen gelten. Dürfen wir etwa nicht nach draussen gehen und atmen und die Sonne spüren? Unsere Freunde treffen und ein bisschen spazieren gehen

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