03. 08. 2016 Dori S.

Begriffswandel der Integration – ein kurzer Blick auf die Geschichte

Sobald bei politischen Debatten das Thema Migration angestossen wird, dreht es sich vor allem um eins: Integration. Aus allen gesellschaftlichen und politischen Fraktionen – von rechts bis links – herrscht der Konsens, Migrant*innen hätten sich zu integrieren oder sie gehörten nicht hierher. Doch was bedeutet beziehungsweise bedeutete Integration eigentlich genau? Ein Blick auf den historischen Begriffswandel in der Schweiz deckt interessante Tatsachen auf.

Integration kommt vom lateinischen integratio und bedeutet die Wiederherstellung einer Einheit. Im Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (kurz: AuG) vom 01. Januar 2008 wird der Begriff als Gesetzesbegriff verankert. Dort heisst es im Artikel 4 AuG Paragraph 1: «Ziel der Integration ist das Zusammenleben der einheimischen und ausländischen Wohnbevölkerung auf der Grundlage der Werte der Bundesverfassung und gegenseitiger Achtung und Toleranz.» Im Paragraph 3 heisst es fortfolgend: «Die Integration setzt sowohl den entsprechenden Willen der Ausländerinnen und Ausländer als auch die Offenheit der schweizerischen Bevölkerung voraus.»

Bis in die achtziger Jahre forderten die Bürgerlichen und die Behörden noch die Assimilation (vom lateinischen assimilare für gleichmachen) der Ausländer*innen. Die migrantische Bewegung benutzte als positives Gegenstück dazu den Begriff Integration. Es hatte eine doppelseitige Bedeutung: Integrieren wurde als gegenseitiger Prozess verstanden. Dadurch, dass sich die Aufnahmegesellschaft öffnet, verändert sie sich auch. Heute sieht man das auch deutlich in der schweizerischen Gesellschaft. Die Einflüsse der Migrant*innen sind heute unübersehbar vorhanden. Man denke nur an die Essgewohnheiten und an die «schweizerische» Fussballnationalmannschaft.

Wenn aber heute die rechtsbürgerlichen Kreise von Integration sprechen, meinen sie im Prinzip wieder das Gleiche wie noch vor dreissig Jahren mit dem Begriff der Assimilation. Daher ist es auch folgerichtig, dass die migrantische Bewegung sich mehr und mehr von dem Begriff Integration distanziert.

Nicht umsonst heisst es in den Grundsätzen der Autonomen Schule Zürich: «Emanzipation statt Integration!» Die ASZ lehnt den Begriff der Integration ab, weil er heute faktisch meint, dass sich Menschen aus einem anderen Kulturkreis an die schweizerische Kultur anpassen sollen. Emanzipation will aber ein «selbstständiges und kritisches Handeln und Denken» ermöglichen und entwickeln. Emanzipation (bedeutet: Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit) ist der Integration vorzuziehen. In Anlehnung an Karl Marx kann man sagen: Die Emanzipation der Migrant*innen kann nur von den Migrant*innen selbst kommen und wir können sie dabei solidarisch unterstützen.

Integration Schweiz Geschichte

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