17. 05. 2017 Mans, Sam, Younes

Horrorskop 2017

Erfahre dein Schicksal! Unsere drei Autoren und Astrologie-Experten haben die Sterne gedeutet und lassen durchblicken, was im laufenden Jahr noch auf uns zukommt.

  Stier (21. April – 21. Mai)

Wie immer im Mai rennst du mit den Hörnern gegen die Wand. Die Schmerzen sind unerträglich, doch du kannst einfach nicht davon lassen. Es gibt aber eine gute Neuigkeit: Am 1. Mai ist die Polizei so sehr mit dem Schwarzen Block beschäftigt, dass du dich auch mit schwarzer Haut ungestört in der Stadt bewegen kannst. Vermeide schwarze Hoodies und tauche in der friedliebenden Masse unter. 

  Zwilling (22. Mai – 21. Juni)

Im Zeichen der Uranus-Jupiter-Opposition tauchen scheinbar immer mehr Zwillinge von dir auf. Die Verwechslungsgefahr ist gross, dein Umfeld neigt zu Sippenhaft und Kollektivstrafen gegen dich und andere Zwillinge. Das muss nicht sein. Lass dir einen einzigartigen QR-Code auf die Stirn tätowieren oder lerne in der unverwechselbaren Mundart eines Innerschweizer Bergdorfs zu sprechen. 

  Krebs (22. Juni – 22. Juli)

Die Sterne stehen gut! Die scheinbar festgeschriebenen Lebenswege der hiesigen Gesellschaft sind doch nicht immer in Stein gemeisselt. In Genf dürfen jetzt manche Sans Papiers endlich Papiere beantragen – und das nach nur zehn Jahren Ausbeutung in totaler Rechtlosigkeit! Der Grund: Die Angst vor Einsamkeit und Isolation im Alter macht viele Schweizer*innen verrückt, deshalb sind sie freundlich zu ihren Care-Arbeiter*innen und geniessen das Multi-Kulti in der Seniorenresidenz. 

  Löwe (23. Juli – 22. August)

Der Löwe ist ein stolzes und königliches Geschöpf. In der Schweiz wird er jedoch häufig mit dem Sündenbock verwechselt und als gern gesehene Trophäe gejagt und an die Wand geklebt. Weniger ausschlachtbare Löwen werden in einen dunklen Bunker in Urdorf gesteckt und dort vergessen. Du hast die Wahl. Pflege deine Mähne mit Bioprodukten, die sind in der Migros auch gegen Gutscheine erhältlich. 

  Jungfrau (23. August – 22. September)

Jungfrauen sind gern gesehene Gäste in der Schweiz. Ehe du dich’s versiehst, sollst du in Verrichtungsboxen, Fernsehshows und rechten Hetzkampagnen zur grossen Völkerschau ausgestellt werden, um Einheimischen die langen Flüge nach Pattaya und Mombasa zu ersparen. Du musst noch lernen, dass Sexualität und Religionszugehörigkeit von Migrant*innen hier Objekte öffentlichen Interesses sind. 

  Waage (23. September – 22. Oktober)

Im Jahr 2017 steht dem Jupiter in der Waage gerade Uranus im Widder gegenüber, ein Zeichen des Aufbruchs. Um dem zu entgehen, solltest du dich möglichst unauffällig verhalten. Versuche nichts an deiner Situation zu ändern und beschwere dich nicht. Nie und bei niemandem. TV-Serien bieten eine Welt der unbegrenzten Zerstreuung ohne Überraschungen. Zahle deine Rechnungen stets pünktlich und gewissenhaft. 

  Skorpion (23. Oktober – 22. November)

Menschen reagieren zunehmend abweisend auf dich, manchmal schlägt dir gar reine Feindseligkeit entgegen. In Erwartung Jupiters werden Skorpione derzeit besonders negativ wahrgenommen: Als zäher Schleim, denn das sind die mit Skorpionen assoziierten Säfte. Nimm die Ablehnung durch andere Menschen nicht persönlich, du kannst an deinen Säften nichts ändern. Stehe zu deinem Sternzeichen, kläre dein Umfeld auf und bitte es, dich nicht darauf zu reduzieren. Du weisst selbst am besten, wie sehr viele kleine Stiche auf Dauer schmerzen. 

  Schütze (23. November – 20. Dezember)

Schützen können sich 2017 weiterhin an ihren Langzeitgast Saturn gewöhnen. Was dieser seltsame Planet von dir will, teilt er dir in langen, umständlich formulierten Briefen mit. Die solltest du immer innert 30 Tagen mit vielen Beschwörungsformeln eingeschrieben retournieren. Bleibe dabei stets respektvoll und dankbar, immerhin wird Saturn für seine blitzblanken Ringe und störungsfreien Umlaufbahnen wie ein Gott verehrt. 

  Steinbock (21. Dezember – 19. Januar)

Kleine Regelbrüche, die du nicht getan hast, werden dir zum Schicksal: Du wirst eingegrenzt, weil Mario Fehr null Bock auf dich hat. Sehe diesen steinigen Weg als Herausforderung und Selbsterkenntnis, an der du wachsen kannst: Nachtwanderungen über die Klippen der Sihl in die Stadt stärken dein Immunsystem. Automobilen Freunden kannst du zu filmreifen Schleichfahrten durch die trostlosesten Ecken des Kantons verhelfen. Alternativ darfst du im Bunker bleiben und dein Schicksal wiederkäuen. 

  Wassermann (20. Januar – 18. Februar)

Saturn steht dir stabilisierend zur Seite und macht solide im Denken und Tun. Wieso er für dich in diesem Winter nur kaltes Wasser zum Duschen vorgesehen hat, ist unergründlich. Vertraue seiner Urteilskraft und nehme die beissende Kälte als Anlass, um möglichst kurz und sparsam zu duschen. Nur so kannst du deine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen und den Gewinn der ORS maximieren. Denke immer daran, Wasser gibt es genug in der Schweiz. Aber jeder Tropfen, den du bekommst, ist Wasser auf den Mühlen derer, die politisches Kapital aus dir schlagen wollen. 

  Fische (19. Februar – 20. März)

Fische sind in diesem Jahr besonders zur Vorsicht gemahnt, denn Merkur, der ihnen sonst so wohlgesonnen ist, lässt sie einfach im Stich. Wenn du plötzlich bemerkst, dass Unrecht zu Recht wird, ist es Zeit, Verbündete zu suchen und etwas dagegen zu tun. Denn wo Menschenrechte nur für Menschen mit den richtigen Papieren gelten, werden sie zu Papierrechten und fliegen leicht davon.  Doch es formiert sich Widerstand: Die Konferenz am 18. März 2017 gab ein Fünkchen Mut, aber du durftest nicht hin. 

  Widder (21. März – 20. April)

So unbeständig und oft widerlich wie das Wetter im April sind in diesem Jahr auch wieder die Plakate und Reden der Rechtspopulist*innen. Früher hat man sich noch darüber aufgeregt, aber dieses Jahr ist es zur Normalität geworden. Sei kein Schafskopf, der sich dagegen wehrt, sondern mache lieber einen Ausflug ins sonnenbeschienene Oberwil-Lieli und geniesse ein Feldschlösschen und einen Joint vor dem Gemeindehaus. Die Bedingung: Der Wert der psychoaktiven Substanz THC muss unter einem Prozent liegen.

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ASZ Asyl Humor Migration Postkolonialismus Rassismus Sans Papiers Satire Schweiz Widerstand

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