08. 11. 2016 Amina Abdulkadir

Ich bin nicht wie jede Schweizerin, jeder Schweizer, nicht wahr?

Gestern Nachmittag, 7. November, an der Kundgebung vor dem Bezirksgericht Zürich, wo Mohamed Wa Baile schuldig gesprochen wurde, hat Amina Abdulkadir (Twitter: @aminabdulkadir) diesen Text vorgetragen. Die PZ darf ihn hier veröffentlichen. Starke Worte gegen Rassismus und im Besonderen gegen Racial Profiling!

Bild: 2016-11/demo-bezirksgericht.jpg

Bild der Kundgebung vor dem Bezirksgericht. Quelle: twitter.com/aszbfa

Is ka warran. 
Af Soomaliga maad ku hadashaa?
Wohl nicht. Sie sprechen wohl nicht Somali. 
Ich übrigens auch nicht, obwohl ich in Muqdisho geboren wurde. 
Ich habe lediglich «useful phrases in Somali» in die Suchmaschine eingetippt, zwei passende Sätze gesucht und diese so artikuliert, wie jede Schweizerin, jeder Schweizer es getan hätte. 
Aber ich bin nicht wie jede Schweizerin, jeder Schweizer, nicht wahr? 
Sie haben mir geglaubt, dass das «meine» Sprache ist.
«Hal luuqad marna kuma filna. Una lingua non basta.» hat mein Vater immer gesagt. 
Eine Sprache ist nicht genug.   
Deshalb spreche ich drei Sprachen und einen Dialekt, fliessend. 
Doch meine hart erarbeitete Mundart vermag es nicht, meine Hautfarbe zu bleichen. 
Meine hart erarbeitete Mundart vermag es nicht, Vorurteile zu erweichen. 
Meine hart erarbeitete Mundart vermag es nicht, Migration als wertneutrale Realität zu zeichnen. 
Denn auch wenn eine Sprache nicht genug ist: Eine Hautfarbe ist genug. 
Eine Hautfarbe ist genug, um die Bewegungsfreiheit zu verlieren. 
Eine Hautfarbe ist genug, um die Unschuldsvermutung zu verlieren. 
Eine Hautfarbe ist genug, um das Gefühl von Sicherheit zu verlieren.
Ich setze einen Fuss vor den anderen. So, wie Mutter es mich lehrte. 
Ich setze ein Wort hinter das andere. So, wie Vater es mich lehrte. 
Du setzt ein Gesetz vor das andere, so wie Angst es dich lehrte. 
Du setzt eine Grenze hinter die andere, so wie Voreingenommenheit es dich lehrte.
Du berufst dich auf «dein» Recht, in «deinem» Land, aufgrund «deiner» Geschichte. 
Doch erinnerst du dich noch an diesen Teil deiner und auch meiner Geschichte: «Mini Farb ond dini, das geht zäme zweh…»?
Das haben wir damals mit Überzeugung gesungen, gemeinsam.
Jetzt kennt dein Regenbogen nur die Farben weiss und rot. Weisse Haut. Rotes Heft.   
Und wer nicht in dieses Schema passt, gehört nicht dazu. Doch rot und weiss sind kein Regenbogen. 
Gemeinsam können wir ein Regenbogen werden.
Ein Regenbogen nämlich, der sich sehen lassen kann.

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