07. 07. 2019 Mussie Yohannes und Dlomatsang Lhakpa

Was höre ich, wenn ich zuhöre?

Aktivist*innen der Autonomen Schule und das Ensemble Tzara haben mit künstlerischen Mitteln über Integration nachgedacht. Was das Projekt ausgelöst hat

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Im Mai 2019 hat das Ensemble Tzara in Zusammenarbeit mit der Autonomen Schule Zürich ein eine Performance zum Thema Integration gemacht. Das Projekt besuchte die Autonome Schule Zürich, die Autonome Schule Biel und Integra Bildung für alle in St. Galle. Im Projekt ging es unter anderem um die Frage: Was höre ich, wenn ich zuhöre?

Mussie Yohannes

Von der Autonomen Schule waren jeweils zwei Aktivistinnen und zwei Teilnehmer dabei, ausserdem vier Musiker*innen des Ensemble Tzara sowie die Projektinitiant*innen Benjamin Ryser und Dorothy Wong Ka Chung aus Hongkong. Alle Beteiligten wohnten fünf Tage in einem Haus in Engelberg. Dort fragen wir uns, was Integration heisst, was die Einheiten von Integration sind, wie Integration wahrgenommen und in Betracht gezogen wird. Dies haben wir dann auf künstlerische Art und Weise realisiert - Klänge sind das Hauptkommunikationsmittel.

Am 5. Mai wurde das Ergebnis in den Klassenzimmern der Autonomen Schule Zürich als Ausstellung und Performance der Öffentlichkeit vorgestellt. Es wurden verschiedene Videos mit Bildern vom Meer (fiktive Bilder aus Filmen, reale Geschichten von allen Beteiligten und aus historischen Archiven) gezeigt, unter anderem ein Video über Geflüchtete aus Vietnam, die in den frühen 90er Jahren übers Meer nach Hongkong flüchteten.

Ein Teil der Performance war: Alle Teilnehmer erzeugten mit Kreide einen leisen, rauschenden Klang und füllten dabei die Wandtafeln der ASZ langsam mit langen Linien. Zahlreiche Menschen waren zum Besuch der Ausstellung in der ASZ. Als ein zweiter Teil der Performance stellten die Projektbeteiligten den Gästen verschiedene Fragen zum Thema Integration. Es wurden viele Meinungen und Ideen zum Ausdruck gebracht.

Dlomatsang Lhakpa

Mit sechs Leuten fuhren wir von Zürich nach Luzern, von Luzern fuhren wir weiter nach Engelberg. Die Landschaft unterwegs war unglaublich schön. In Engelberg sind vier weitere Leute dazu gekommen. Wir waren eine Woche dort und arbeiteten an unserem Projekt. Das Thema war Integration. Ja, es ist ein grosses Thema, jede und jeder weiss, was Integration ist und wie wichtig sie ist, aber trotzdem machen viele es nicht, weil die Integration in eine neue Gesellschaft schwierig ist und viel Mühe kostet. 

Für mich war die Verständigung in dieser Woche nicht einfach, weil ich mich auf Deutsch noch nicht sicher fühle und manchmal Mühe habe zu kommunizieren, aber alle haben mir viel geholfen und waren geduldig. Wir haben Diskussionen geführt, Musik gemacht, Manifeste über unsere Perspektive auf Integration geschrieben, gekocht, Spiele gespielt. Was mir am besten gefiel, war, die Wandtafel mit Kreide auszufüllen. Wir haben das in Engelberg geprobt und dann bei der öffentlichen Aufführung als Performance alle Wandtafeln an der ASZ gefüllt. Es gibt keine richtige Bedeutung für diese Aktion, oder man muss sie selber herausfinden.

Ich finde, dass sei wie ein Abbild von einem Menschen ist. Jede und jeder hat verschiedene Ideen, um die Wandtafel zu füllen. Das ist wie unsere Gesellschaft: Wenn verschiedene Menschen, verschiedene Ideen zusammen integrieren, kann eine gute Gesellschaft entstehen. Wir haben alle ein Manifest zum Thema Integration geschrieben und nannten fast die gleichen Punkte: Respekt ist wichtig, Kommunikation ist wichtig, die Akzeptanz anderer Personen und Kulturen. Das Manifest konnte man in der eigenen Muttersprache schreiben, das finde ich sehr toll. 

Ich bin sehr froh, an diesem Projekt teilgenommen zu haben. Das Projekt hat mir geholfen, mein Deutsch zu verbessern. Die Tollste ist, dass ich viele sehr nette Leute kennengelernt und unvergessliche Tage erlebt habe.

Mussie Yohannes

Trotz der Schwierigkeit, die künstlerische Art schnell zu verstehen, war das Projekt sehr interessant. Was mir vor allem gefallen hat, sind die Meinungen, die ich durch meine Fragen gesammelt habe. Wie zum Beispiel: Was bedeutet Integration für dich? Wie können zwei Leute mit zwei Hintergründen gemeinsam integrieren? Woher kommst du? Was ist dein Land? Und so weiter…

Da hatten fast alle Gäste sehr ähnliche und gemeinsame Antworten. Zum Beispiel denken die Leute an den Autonomen Schulen Zürich und Biel, dass man unabhängig davon, woher man kommt, in welcher Gesellschaft man sich befindet, nicht allein den ersten Schritt von nur seiner Seite machen muss. Sie denken, beide Seiten müssen den gleichen Schritt machen, um voneinander zu lernen und sich miteinander zu integrieren. Nur so könne man den wahren Hintergrund und die richtige Kultur eines Menschen richtig verstehen und die Hindernisse können minimiert werden. 

In St. Gallen war es anders. Dort hörte ich die Meinung, dass eine Person, die aus einem anderen Ort kommt, ein Loch oder eine Tür finden muss, um sich in die Gesellschaft zu integrieren, auch wenn sie oder er nicht willkommen ist.

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